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Im Juni gibt es eine Nacht, in der in fast jedem europäischen Land etwas brennt, blüht oder getanzt wird. In Schweden heißt sie Midsommar, in Bayern und Tirol kennt man sie als Sonnwendfeier, dazwischen trägt sie auf einem Dutzend Sprachen den Namen Johannes. Anlass ist immer derselbe: der längste Tag des Jahres.


Im Juni gibt es eine Nacht, in der in fast jedem europäischen Land etwas brennt, blüht oder getanzt wird. In Schweden heißt sie Midsommar, in Bayern und Tirol kennt man sie als Sonnwendfeier, dazwischen trägt sie auf einem Dutzend Sprachen den Namen Johannes. Anlass ist immer derselbe: der längste Tag des Jahres.
Die astronomische Sommersonnenwende fällt 2026 auf Sonntag, den 21. Juni. Die einzelnen Länder feiern aber nicht alle an diesem Datum.
In Bayern, Tirol, Südtirol, Vorarlberg und der Innerschweiz werden in der kürzesten Nacht des Jahres Bergfeuer entzündet, oft kilometerweit über die Täler hinweg sichtbar. Die Tradition reicht bis ins Mittelalter zurück, vermutlich weiter, und hat denselben vorchristlich-paganen Ursprung wie das nordische Midsommar.
Midsommar muss man sich also nicht aus dem IKEA-Katalog ausleihen. Es ist im Kern dieselbe Sonnwendfeier, nur mit anderer Musik, anderen Blumen und mehr Hering.
Die Mittsommerfeste in Europa sind älter als das Christentum. Ursprünglich war es ein heidnisches Sonnwendritual: Höhepunkt des Lichts im Jahr, Symbol für Fruchtbarkeit und Wachstum.
Mit der Christianisierung legte die Kirche das Fest auf den Johannistag am 24. Juni. Die Geburt Johannes des Täufers wird traditionell genau sechs Monate vor Weihnachten datiert. Daher tragen so viele Sprachen seinen Namen in sich: Sankthansaften (Dänemark, Norwegen), Juhannus (Finnland, von Johannes), Jaanipäev (Estland), Jāņi (Lettland), Johannisnacht (deutschsprachiger Raum), Szent Iván-éj (Ungarn, Iván ist die slawische Variante von Johannes).
Die meisten heutigen Bräuche (Feuer, Blumenkränze, durchgemachte Sommernächte) stammen aber aus der älteren, heidnischen Schicht.
Im Kern: das Licht. Im Norden Schwedens und Finnlands geht die Sonne zur Mittsommerzeit kaum unter; weiter südlich sind es immerhin knapp 17 Stunden Tag.
Neben dem astronomischen Aspekt geht es um die Natur in voller Blüte, um Gemeinschaft draußen, und um folkloristische Identität. In Schweden und Finnland funktioniert Midsommar fast wie ein zweiter, inoffizieller Nationalfeiertag.
Mittsommernacht ist außerdem eine der romantischsten Nächte im Volkskalender, traditionell mit Liebesorakeln und Träumen über zukünftige Partner verknüpft.
Der direkteste Bezug zum heimischen Brauch. Ein richtiges Feuer, eine Feuerschale im Garten oder ein paar Kerzen reichen. Im Alpenraum lohnt es sich, abends nach den Bergkämmen zu schauen, die Sonnwendfeuer brennen sowieso.
Wildblumen (Butterblumen, Margeriten, Kornblumen) mit Floristendraht zu einem Kranz binden. In Schweden tragen das traditionell alle, nicht nur die Kinder.
Ein albernes schwedisches Kinderlied. Hände an den Kopf wie Froschohren, im Kreis hüpfen, dabei davon singen, dass Frösche eigentlich weder Ohren noch Schwanz haben. Jedes schwedische Kind kennt es. Vorher kurz auf YouTube anschauen.
Alter Volksbrauch: in der Mittsommernacht schweigend durch sieben verschiedene Wiesen gehen, von jeder eine Blume pflücken, alles unter das Kopfkissen legen. Geträumt wird angeblich von der zukünftigen Heirat.
Junge Kartoffeln, eingelegter Hering (sill), Schmand mit Schnittlauch, Knäckebrot, Erdbeeren mit Sahne. Für die Erwachsenen ein kleines Glas Aquavit, traditionell mit kurzen, lauten Singpausen (snapsvisor).
Der eigentliche Reiz der Mittsommernacht ist keine bestimmte Aktivität, sondern dieser absurd lange Abend. Draußen bleiben. Langsam essen. Der Sonne zuschauen, wie sie sich weigert unterzugehen.
Ob Midsommar, Sonnwendfeier oder einfach „der längste Tag": am besten macht man es so wie die Schweden, draußen, mit Menschen, die man mag, und ohne Hektik.